Das Lipoprotein(a)-Screening rückt in den Mittelpunkt. Im März 2026 empfahl eine wichtige US-amerikanische Leitlinie erstmals, dass alle Erwachsenen ihren Lipoprotein(a)-Wert mindestens einmal bestimmen lassen sollten. Das ist ein klarer Wandel gegenüber dem bisherigen Ansatz, bei dem der Test nur Personen mit offensichtlichem Risiko vorbehalten war. Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein weitgehend erblich bedingtes Partikel, das das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Aortenklappenstenose erhöht – unabhängig von Ihren üblichen Cholesterinwerten. In diesem Artikel erfahren Sie, was sich 2026 geändert hat, was der Test misst, wie Sie Ihr Ergebnis einordnen, was bei einem erhöhten Wert zu tun ist und was aktuelle Forschungsergebnisse zeigen.
Was hat sich 2026 geändert?
Am 13. März 2026 wurde die neue ACC/AHA/Multisociety-Dyslipidämie-Leitlinie 2026 veröffentlicht, die die Cholesterin-Leitlinie von 2018 ablöst. Zum ersten Mal empfiehlt eine US-amerikanische Leitlinie ein universelles Screening aller Erwachsenen auf erhöhtes Lipoprotein(a), mit besonderen Hinweisen zur Testung bei Kindern. Außerdem werden LDL-Behandlungsziele (Low-Density-Lipoprotein) auf Basis des individuellen Risikos wieder eingeführt und eine lebenslange Lipidkontrolle gefördert.
Das ist bedeutsam, weil frühere Empfehlungen den Test als optional betrachteten. Nationale Patienteninformationen beschreiben Lipoprotein(a) nach wie vor als einen Test, der in der Regel nur bei Personen mit hohem Risiko angeordnet wird – und nicht als Routineuntersuchung. Die Aktualisierung von 2026 stuft eine einmalige Lp(a)-Messung als nützliche Information für nahezu jeden ein, da sich der Wert im Laufe des Lebens kaum verändert und ein verstecktes Risiko aufdecken kann, das ein Standard-Cholesterinpanel nicht erfasst.
Was das Lipoprotein(a)-Screening misst
Lipoprotein(a) ist ein LDL-ähnliches Partikel, an das ein zusätzliches Protein – Apolipoprotein(a) – gebunden ist. Diese Struktur macht es sowohl anfällig für die Bildung von Plaques in den Arterien als auch für die Förderung von Blutgerinnseln. Ihr Wert wird größtenteils durch die Gene bestimmt und bleibt daher ab der Kindheit weitgehend stabil. Einen ausführlicheren Überblick bietet unser Ratgeber zum kardiovaskulären Risikomarker Lipoprotein(a).
Die Untersuchung selbst ist eine einfache Blutabnahme, die häufig in ein umfassenderes Lipidprofil integriert wird. Unser Ratgeber erläutert das Standard-Lipidpanel, das Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeride misst. Lp(a) ist nicht Teil dieses Basispanels – genau deshalb ist eine gezielte Anforderung wichtig. Im Gegensatz zu einem routinemäßigen Cholesterintest ist für das Lipoprotein(a)-Screening in der Regel kein Nüchternzustand erforderlich.
So lesen Sie Ihren Lipoprotein(a)-Wert
Lp(a) wird in einer von zwei Einheiten angegeben: Milligramm pro Deziliter (mg/dL) oder Nanomol pro Liter (nmol/L). Diese Einheiten lassen sich nicht mit einem einfachen Faktor umrechnen – prüfen Sie daher immer, welche Einheit Ihr Labor verwendet hat. Die folgende Tabelle zeigt die am häufigsten genannten Referenzwerte.
| Lipoprotein(a)-Wert | In mg/dL | In nmol/L | Übliche Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Wünschenswert | Unter 30 | Unter 75 | Geringes Lp(a)-bedingtes Risiko |
| Grenze | 30 bis 50 | 75 bis 125 | Andere Risikofaktoren optimieren |
| Hoch | Über 50 | Über 125 | Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko |
Eine einzelne Zahl erzählt nie die ganze Geschichte. Ein Arzt bewertet Ihren Wert immer zusammen mit Alter, Geschlecht, Blutdruck, Raucherstatus, Diabetes und den übrigen Blutfettwerten. Etwa jede fünfte Person hat einen erhöhten Wert – oft ohne es zu wissen, da sich Arteriosklerose über Jahre hinweg still entwickelt.
Was ein erhöhter Wert bedeutet und was Sie tun können
Ein hoher Lipoprotein(a)-Wert verursacht für sich allein keine Symptome, und es ist noch kein Medikament zugelassen, das ihn gezielt senkt. Das praktische Ziel besteht daher darin, alle anderen beeinflussbaren Risikofaktoren zu reduzieren. Das bedeutet: LDL-Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker und Gewicht kontrollieren sowie das Rauchen aufgeben, das die Gefahr eines hohen Lp(a)-Werts erheblich verstärkt.
Ernährung und Bewegung verändern den Lp(a)-Wert selbst kaum, senken aber Ihr kardiovaskuläres Gesamtrisiko – und darauf kommt es an. Für manche Menschen lohnt sich ein genauerer Blick auf die Partikelbelastung: Unser Artikel erklärt den ApoB-Bluttest, und unsere Übersicht behandelt das erweiterte Lipidpanel. Um an den beeinflussbaren Faktoren anzusetzen, erläutert unser Ratgeber gesunde LDL-Cholesterin-Werte, und unser Beitrag erklärt die Vorbeugung von hohem Cholesterin.
Wer am meisten von einem Lipoprotein(a)-Screening profitiert
Die Leitlinie von 2026 empfiehlt, jeden Erwachsenen mindestens einmal zu testen – doch bestimmte Gruppen profitieren besonders von einem frühen Ergebnis. Die Tabelle stellt den älteren, selektiven Ansatz dem neuen, universellen gegenüber.
| Ansatz | Wer getestet wurde | Einschränkung |
|---|---|---|
| Selektiv (vor 2026) | Familiengeschichte mit früher Herzerkrankung, sehr hohem LDL oder früheren Ereignissen | Viele Menschen mit stiller, erblicher Risikobelastung wurden übersehen |
| Universell (2026) | Alle Erwachsenen, mindestens einmal; besondere Regelungen für Kinder | Erfordert ein breiteres Bewusstsein und einen besseren Zugang |
Eine Untersuchung ist besonders sinnvoll, wenn ein naher Verwandter früh einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat, wenn eine familiäre Hypercholesterinämie vorliegt oder wenn trotz gut eingestelltem LDL wiederholt Herz-Kreislauf-Ereignisse auftreten. Da Lp(a) erblich bedingt ist, gibt ein erhöhter Wert bei einer Person Anlass, auch bei erstgradigen Verwandten eine Messung zu besprechen.
Wann sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?
Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist ein langfristiger Risikomarker, kein Notfall. Dennoch erfordern bestimmte Symptome immer sofortige medizinische Hilfe: Brustschmerzen, plötzliche Atemnot oder Anzeichen eines Schlaganfalls wie ein hängender Mundwinkel, Schwäche in einem Arm oder Sprachstörungen. In diesen Situationen rufen Sie sofort den Notruf an – warten Sie nicht auf ein Bluttest-Ergebnis.
Neueste wissenschaftliche Fortschritte
Laut aktueller Fachliteratur in PubMed wird die Messung von Lp(a) zunehmend empfohlen, auch wenn neue Erkenntnisse noch nicht überall zur Standardpraxis gehören. Ein Übersichtsartikel von 2024 im Lancet kam zu dem Schluss, dass etwa jede fünfte Person erhöhte Lipoprotein(a)-Werte aufweist und dass Personen mit erhöhtem Risiko den Wert mindestens einmal im Leben bestimmen lassen sollten (DOI).
Eine große 30-jährige Analyse bei anfangs gesunden Frauen, 2024 im New England Journal of Medicine veröffentlicht, zeigte, dass eine einmalige kombinierte Messung von hochsensitivem CRP, LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a) Herz-Kreislauf-Ereignisse Jahrzehnte später vorhersagen konnte – ein Argument für eine frühzeitige Risikoabschätzung (DOI). Aufbauend auf derselben Kohorte untersuchte eine Studie von 2026 im JAMA Cardiology klinische Grenzwerte und kam zu dem Schluss, dass ein allgemeines Screening auf erhöhtes Lp(a) in der Bevölkerung gerechtfertigt sein könnte (DOI). Es handelt sich um Beobachtungs- und Kohortenstudien; sie beschreiben ein Risiko, aber keine Behandlung, die dieses Risiko senkt.
Glossar
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Lipoprotein(a) / Lp(a) | Ein LDL-ähnliches Blutpartikel, das größtenteils erblich bedingt ist und das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. |
| Apolipoprotein(a) | Das zusätzliche Protein, das an Lp(a) gebunden ist und dessen gerinnungsfördernde Wirkung bedingt. |
| Atherosklerose | Die allmähliche Ablagerung von Fettplaques, die Arterien verengt und versteift. |
| Aortenklappenstenose | Verengung der Aortenklappe des Herzens, die Lp(a) im Laufe der Zeit begünstigen kann. |
| ASCVD | Atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung, einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall. |
| nmol/L vs. mg/dL | Zwei Laboreinheiten für Lp(a), die sich nicht mit einem einfachen Umrechnungsfaktor ineinander umrechnen lassen. |
| hs-CRP | Hochsensitives C-reaktives Protein, ein Marker für niedriggradige Entzündungen. |
| Primärprävention | Maßnahmen, die vor einem ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall ergriffen werden, um das Risiko zu senken. |
Häufig gestellte Fragen
Ist das Lipoprotein(a)-Screening inzwischen ein Routinetest?
Die US-Leitlinie von 2026 empfiehlt, Lp(a) bei allen Erwachsenen mindestens einmal zu messen, was den Test in Richtung Routineanwendung rückt. In der Praxis variieren Verfügbarkeit und lokale Kostenübernahme noch, daher sollten Sie Ihren Arzt fragen, ob und wann der Test für Sie sinnvoll ist. Da der Wert lebenslang stabil bleibt, reicht in der Regel eine einzige Messung aus.
Muss ich vor dem Test fasten?
In der Regel nicht. Lipoprotein(a)-Werte sind stabil und werden durch eine kürzliche Mahlzeit kaum beeinflusst, sodass die Blutabnahme häufig ohne Nüchternheit erfolgen kann. Wird Lp(a) zusammen mit einem vollständigen Lipidprofil bestimmt, kann Ihr Arzt dennoch besondere Anweisungen geben – befolgen Sie daher die Hinweise, die Sie vom Labor erhalten.
Wie häufig sollte Lipoprotein(a) gemessen werden?
Für die meisten Menschen reicht eine einmalige Messung, da der Wert genetisch festgelegt ist und sich im Laufe des Lebens kaum verändert. Eine Wiederholungsmessung wird manchmal nach den Wechseljahren oder dann erwogen, wenn das erste Ergebnis nahe an einem Entscheidungsschwellenwert lag. Ihr Arzt entscheidet auf Grundlage Ihres gesamten Risikoprofils.
Kann ich ein erhöhtes Lipoprotein(a) senken?
Derzeit gibt es kein zugelassenes Medikament, das Lp(a) direkt beeinflusst, und Lebensstiländerungen haben kaum Auswirkungen auf den Wert selbst. Die bewährte Strategie besteht darin, alle anderen Risikofaktoren zu senken: LDL-Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker, Gewicht und Rauchen. Mehrere Lp(a)-senkende Medikamente befinden sich in fortgeschrittenen klinischen Studien, sind aber noch nicht in der Routineversorgung verfügbar.
Bedeutet ein erhöhter Wert, dass ich einen Herzinfarkt bekommen werde?
Nein. Ein erhöhtes Lp(a) erhöht das Risiko langfristig, ist aber nur einer von vielen Faktoren – viele Menschen mit hohen Werten erleiden nie ein Herzereignis. Der Sinn des Screenings besteht darin, versteckte Risiken frühzeitig zu erkennen, damit Sie und Ihr Arzt gezielt an dem arbeiten können, was veränderbar ist.
Quellen
- Lipoprotein (a) Bluttest — MedlinePlus (US National Library of Medicine)
- Lipoprotein (a): Werte und Tests — Cleveland Clinic
- 2026 ACC/AHA/Multisociety-Leitlinie zu Dyslipidämie veröffentlicht — National Lipid Association
Weiterführende Literatur
- Lipoprotein(a): diesen kardiovaskulären Risikomarker verstehen
- Lipidprofil erklärt: Cholesterin, LDL, HDL und Triglyceride
- ApoB-Bluttest: ein klareres Bild des Herzrisikos
- LDL-Normalwerte: ein Leitfaden zu gesunden Bereichen
- Erweitertes Lipidprofil: ApoB, Lp(a) und weiterführende Herzrisikoanalyse
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Lipoprotein(a) ergibt selten allein betrachtet ein vollständiges Bild. Am aussagekräftigsten ist der Wert im Zusammenhang mit Ihrem vollständigen Lipidprofil, Ihrem LDL- und HDL-Cholesterin, Ihren Triglyzeriden und manchmal auch ApoB oder hochsensitivem CRP. Angesichts all dieser Zahlen und Einheiten ist es nicht immer leicht zu erkennen, wo Sie stehen. AI DiagMe hilft Ihnen, Ihre Laborergebnisse in verständlicher Sprache nachzuvollziehen, damit Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt besser vorbereiten können. Die App stellt keine Diagnosen und ersetzt nicht Ihren Arzt – sie macht Ihre Ergebnisse einfach leichter lesbar.



